Kisslegg auf Gigabit-Kurs: Wie der Glasfaserausbau die Gemeinde fit für die Zukunft macht

Mit einem Investitionsvolumen von 35 Millionen Euro stemmt Kisslegg eines der ambitioniertesten Infrastrukturprojekte im Landkreis Ravensburg. Der Glasfaserausbau soll bis 2027 flächendeckend schnelle Internetverbindungen für alle Ortsteile bringen. Wie das Vorhaben voranschreitet, wer davon profitiert und welche Herausforderungen es gibt, zeigt dieser Blick hinter die Kulissen des Digitalausbaus.
Im Zeitalter der Digitalisierung wird schnelles Internet zur Grundvoraussetzung für wirtschaftliche Entwicklung, moderne Bildung und gleichwertige Lebensverhältnisse zwischen Stadt und Land. In ländlichen Regionen wie Kisslegg war die digitale Versorgung bislang jedoch vielerorts unzureichend. Weiße Flecken auf der Breitbandkarte behinderten nicht nur Unternehmen, sondern auch Familien im Homeoffice oder Schüler im Online-Unterricht. Das soll sich nun ändern: Seit 2023 investiert die Gemeinde Kisslegg mit Unterstützung von Bund und Land in ein umfassendes Glasfasernetz, das bis Ende 2027 nahezu alle Haushalte, Betriebe und Schulen mit Gigabit-Geschwindigkeit versorgen soll.
Das Projekt umfasst sieben Bauabschnitte und wird mit einem Gesamtvolumen von rund 35 Millionen Euro als eines der größten Infrastrukturvorhaben der Gemeinde bezeichnet. Rund 90 Prozent der Kosten übernehmen die Fördermittelgeber: Der Bund steuert 50 Prozent, das Land Baden-Württemberg weitere 40 Prozent bei. Kisslegg selbst trägt zehn Prozent der Kosten, was einer kommunalen Beteiligung von 3,5 Millionen Euro entspricht. Umgesetzt wird das Projekt in Kooperation mit dem Zweckverband Breitbandversorgung im Landkreis Ravensburg, der als Netzplaner und Bauherr fungiert.
Im Sommer 2025 zeigen sich erste sichtbare Fortschritte. Der erste Bauabschnitt im Gewerbegebiet Zaisenhofen ist nahezu abgeschlossen. Die Hauptleitungen sind verlegt, und das erste sogenannte PoP-Gebäude (Point of Presence), das als zentrale Netzknotenstelle dient, wurde in Betrieb genommen. Im zweiten Bauabschnitt, der die Schulstandorte im Kernort betrifft, sollen die Tiefbauarbeiten in den Sommerferien 2025 erfolgen, um den Schulbetrieb nicht zu beeinträchtigen. Ab Spätsommer beginnt der dritte Abschnitt im Ortsteil Waltershofen. Die Gesamtkoordination stellt hohe Anforderungen an Verwaltung, Baufirmen und Anwohner: Straßensperrungen, Baustellenlärm und temporäre Umleitungen begleiten die Baumaßnahmen.
Bürgermeister Dr. Dieter Krattenmacher betont in öffentlichen Mitteilungen immer wieder die strategische Bedeutung des Projekts: "Ein leistungsfähiger Internetzugang ist heute ebenso wichtig wie eine gute Straßenanbindung oder eine verlässliche Energieversorgung." Auch für Unternehmen sei die digitale Infrastruktur ein ausschlaggebender Standortfaktor. Dies deckt sich mit bundesweiten Erhebungen: Laut einer Studie des Bundesverbands Breitbandkommunikation (BREKO) aus dem Jahr 2024 sehen über 70 Prozent der befragten mittelständischen Unternehmen in schnellen Datenleitungen einen entscheidenden Wettbewerbsfaktor.
Trotz der Fortschritte bleibt der Ausbau eine logistische und technische Herausforderung. Komplexe Genehmigungsverfahren, Materialengpässe und witterungsbedingte Verzögerungen können den Baufortschritt beeinflussen. Doch die Verwaltung zeigt sich zuversichtlich: Die Bauplanung sei robust, und die Rückmeldungen aus der Bevölkerung seien überwiegend positiv. Mit der Fertigstellung rechnet man Ende 2027. Bis dahin sollen rund 180 Kilometer Glasfaser verlegt und über 4.000 Adressen in Kisslegg angeschlossen sein.
Der Ausbau reiht sich ein in die bundesweite Strategie "Gigabit für alle", mit der die Bundesregierung die digitale Spaltung zwischen Stadt und Land bis 2030 überwinden möchte. Kisslegg gehört damit zu den Gemeinden, die frühzeitig die Weichen für eine zukunftsfähige digitale Infrastruktur stellen. Für die Menschen vor Ort bedeutet das nicht nur schnelleres Internet, sondern auch neue Chancen für Bildung, Arbeit und Lebensqualität im ländlichen Raum.
- KI-generiert