Was Unternehmen in Wangen 2025 bewegt

Der Wirtschaftsstandort Wangen im Allgäu steht vor tiefgreifenden Herausforderungen. Eine Umfrage unter lokalen Unternehmen zeigt, wo der Schuh besonders drückt: Fachkräftemangel, Digitalisierung und der Wandel im Vertrieb bereiten Sorgen – bieten aber auch Chancen zur Neuaufstellung. Was das für die Zukunftsfähigkeit der Region bedeutet, zeigt ein aktueller Blick auf die Unternehmenslandschaft.
Die Wirtschaft in Wangen im Allgäu zählt zu den Stützen der Region Oberschwaben. Mittelständische Betriebe, familiengeführte Handwerksunternehmen, industrienahe Zulieferer und Dienstleister bilden das Rückgrat eines stabilen Arbeitsmarktes. Doch das Jahr 2025 bringt für viele dieser Firmen eine Zäsur. Die Herausforderungen sind komplex, die Unsicherheiten groß. Eine aktuelle Umfrage des Wirtschaftskreises Wangen unter über 70 lokalen Unternehmen zeigt deutlich, wo die Sorgen am größten sind: An erster Stelle steht der anhaltende Mangel an qualifizierten Arbeitskräften, gefolgt vom wachsenden Druck zur Digitalisierung und von veränderten Anforderungen im Vertrieb.
Rund 54 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, dass die Personalgewinnung ihre größte Herausforderung im laufenden Jahr sei. Damit spiegelt sich in Wangen ein Trend, der bundesweit zu beobachten ist. Laut Institut der deutschen Wirtschaft (IW) könnten bis 2035 rund sieben Millionen Arbeitskräfte in Deutschland fehlen – vor allem in technischen, handwerklichen und pflegerischen Berufen. In Wangen trifft dies insbesondere produzierende Betriebe und das Baugewerbe. Bereits heute berichten viele Unternehmen, dass sie Aufträge nicht mehr wie gewohnt ausführen können, weil das Personal fehlt. "Wir haben lange gesucht, inzwischen verzichten wir auf Ausschreibungen, wenn wir die Leistung personell nicht sicherstellen können", heißt es aus einem lokalen Installationsbetrieb.
Neben dem Fachkräftemangel steht die Digitalisierung weit oben auf der Agenda. 46 Prozent der befragten Unternehmen sehen hier dringenden Handlungsbedarf. Viele Firmen beklagen den technischen Nachholbedarf, etwa bei der Automatisierung von Prozessen, der Nutzung datenbasierter Systeme oder dem Aufbau sicherer IT-Strukturen. Kleine und mittlere Unternehmen stehen vor der Frage, wie sie mit begrenzten Ressourcen den digitalen Wandel meistern können. In Wangen unterstützen Initiativen wie das Kompetenznetzwerk Allgäu Digital oder die regionale Digitalberatung der IHK mit Schulungen, Workshops und konkreten Förderprogrammen. Doch der Umsetzungsdruck ist hoch: "Digitalisierung ist kein Projekt mehr, sondern ein Dauerzustand", bringt es ein Unternehmer auf den Punkt.
Auch der Bereich Vertrieb und Marketing bereitet vielen Unternehmen Sorgen. 36 Prozent der Befragten sehen sich durch geänderte Kundenansprüche und gestiegene Konkurrenz im Online-Handel herausgefordert. Die Corona-Jahre haben die Erwartungshaltung an digitale Kundenkommunikation, Service und Lieferbarkeit dauerhaft verändert. Gerade traditionell aufgestellte Betriebe müssen ihre Strategien anpassen. Hier können Kooperationen mit Start-ups oder Agenturen helfen, neue Wege im Onlinevertrieb zu gehen.
Trotz aller Herausforderungen bleibt der wirtschaftliche Ausblick in Wangen verhalten optimistisch. Über 60 Prozent der Unternehmen gehen davon aus, dass die genannten Themen – Personal, Digitalisierung, Marketing – auch in den kommenden Monaten zentral bleiben werden. Gleichzeitig erkennen viele Betriebe die Chance, sich zukunftsfähig aufzustellen. Stadt und Wirtschaftskreis arbeiten daher gemeinsam an Formaten wie Ausbildungsmessen, digitalen Netzwerktreffen und Innovationsforen. Ziel ist es, den Standort zu stärken und den Wandel aktiv zu gestalten.
