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Work? Life? Gen Z.

Wie die Generation Z Arbeit neu denkt.

Faul, überempfindlich, anspruchsvoll – die Liste der Vorbehalte gegen die Generation Z ist lang. Gleichzeitig klagen junge Beschäftigte über mangelnde Wertschätzung, veraltete Strukturen und fehlende Perspektiven. Beide Seiten fühlen sich missverstanden. Ein Blick auf aktuelle Daten zeigt: Die Wahrheit liegt wie so oft in der Mitte.

Aber arbeiten sie wirklich weniger? Die Erwerbsbeteiligung der 20- bis 24-Jährigen ist seit 2015 um über sechs Prozentpunkte auf rund 76 Prozent gestiegen – der höchste Stand seit Jahrzehnten. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) kommt in seiner Analyse vom Februar 2025 zu einem klaren Ergebnis: Die Behauptung, die Generation Z fordere viel, arbeite aber wenig, sei ein verbreitetes, aber falsches Vorurteil, erklärt IAB-Forschungsbereichsleiter Enzo Weber. Auch die Annahme, junge Menschen wechselten häufiger den Job, lässt sich statistisch nicht belegen. Allerdings zeigt sich ein Strukturwandel: Während sowohl Voll- als auch Teilzeitbeschäftigung zunahmen, wuchs die Teilzeitquote deutlich stärker. Ein Großteil dieses Anstiegs geht auf Studierende mit Nebenjobs zurück – möglicherweise auch eine Reaktion auf gestiegene Lebenshaltungskosten.

Was erwartet die Generation Z?

Die gemeinsame Studie von DIEPA und YouGov liefert konkrete Zahlen: 74 Prozent der Befragten nennen das Gehalt als wichtigstes Kriterium bei der Jobwahl, 61 Prozent die Arbeitsplatzsicherheit. Das klingt zunächst konservativ. Doch für 47 Prozent spielt auch die Unternehmenskultur eine entscheidende Rolle – deutlich mehr als in älteren Generationen. Eine repräsentative Umfrage von Continental und YouGov relativiert allerdings das Bild einer besonders anspruchsvollen Generation: 77 Prozent der 16- bis 24-Jährigen geben an, dass Arbeit in ihrem Leben wichtig sei. Bei den 25- bis 57-Jährigen sind es 80 Prozent – ein marginaler Unterschied. Vier von fünf Befragten sehen Arbeit generationsübergreifend als wichtigen Lebensbestandteil. Continental-Personalvorständin Ariane Reinhart kommentiert: Die Gen Z sei nicht wirklich anders als die anderen Generationen in der Anspruchshaltung. Dennoch zeigt sich eine höhere Wechselbereitschaft: 78 Prozent der jungen Beschäftigten würden für eine bessere Bezahlung den Arbeitgeber wechseln – bei den 25- bis 57-Jährigen sind es 71 Prozent. Für 62 Prozent der Gen Z ist beruflicher Erfolg erstrebenswert, was dem Durchschnitt älterer Generationen entspricht. Das verbreitete Narrativ einer karriereaversen Jugend bestätigt sich nicht.

Führung? Nein danke

Ein Phänomen gewinnt 2026 an Aufmerksamkeit: das sogenannte Conscious Unbossing. Laut der Personalberatung Robert Walters streben über 50 Prozent der jungen Fachkräfte explizit keine mittlere Managementposition an. Die Gründe sind vielschichtig: Der finanzielle Zugewinn rechtfertige für viele nicht den steigenden Stress. Die Sandwich-Position zwischen Vorstandsvorgaben und Teamanforderungen gilt als Burnout-Risiko. Aus Unternehmenssicht stellt das eine Herausforderung dar: Wer soll künftig Teams führen, wenn Verantwortung primär als Belastung wahrgenommen wird? Einige Arbeitgeber reagieren bereits mit Expert Tracks – Karrierepfaden, die Spezialisierung ohne Personalverantwortung ermöglichen. Ein Dauerthema zusammen mit der viel zitierten Life/Work Balance ist die Psychische Belastung. Aktuelle Reports von Krankenkassen und Beratungsunternehmen zeigen: Die Fehltage wegen psychischer Erkrankungen steigen weiter. Arbeitspsychologen sprechen von einer Polykrise – die Kombination aus digitaler Dauerverfügbarkeit, wirtschaftlicher Unsicherheit und Zukunftsängsten führe zu emotionaler Erschöpfung. Die Generation Z kommuniziert diese Belastung offener als frühere Generationen. Das kann als Stärke gewertet werden – oder als Schwäche, je nach Perspektive. Fakt ist: Mehr als die Hälfte der jungen Beschäftigten kümmert sich aktiv um das eigene Wohlbefinden.

Was beide Seiten voneinander lernen können

Vierzig Prozent der Führungskräfte sind laut Umfragen der Meinung, dass Berufseinsteiger nicht ausreichend auf den Arbeitsmarkt vorbereitet sind. Gleichzeitig unterschätzen viele Unternehmen, wie sehr sich die Arbeitswelt verändert hat. Die COVID-19-Pandemie, geopolitische Krisen und die digitale Transformation haben den Berufseinstieg dieser Generation grundlegend geprägt. Die Daten legen nahe: Weder das Bild der arbeitsunwilligen Jugend noch das der unflexiblen Arbeitgeber trifft pauschal zu. Junge Beschäftigte bringen hohe Anpassungsfähigkeit und digitale Kompetenz mit. Unternehmen bieten Strukturen und Erfahrung. Der Konflikt entsteht oft dort, wo Erwartungen nicht kommuniziert werden – auf beiden Seiten. Vielleicht liegt der Schlüssel nicht in der Frage, wer recht hat. Sondern darin, die Perspektive des anderen als Ausgangspunkt für Lösungen zu verstehen.
 



Wer ist die Generation Z?

Die Generation Z umfasst die Jahrgänge 1995 bis 2010 (zwischen Gen Y und Gen Alpha). 2026 ist sie 16 bis 31 Jahre alt. In Deutschland sind das rund 12,3 Mio. Menschen (ca. 14,6 % der Bevölkerung). Ende 2024 waren etwa 6,2 Mio. der 20- bis 29-Jährigen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Für 2026 wird erwartet, dass "Gen Z" rund 30 % des Bruttoeinkommens in Deutschland erwirtschaftet.

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Autor:
Blickpunkt Magazin
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